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Kage Mikrofotografie

Ciliaten  REM 172:1

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Kunst und Wissenschaft
Buch Kunst und Wissenschaft 2007

Manfred P. Kage
WEGE ZUR SCIENCE-ART

1935 geboren, experimentierte Manfred P. Kage zeit seines Lebens mit Mikroskopie. Nach dem Studium der Chemie kristallisierte er in seiner ersten Arbeitsstelle mehr als 2500 anorganische und organische Verbindungen, um sie auf ihre „Bildfähigkeit“ hin zu testen und zu fotografieren. Durch den Kontakt zur Wiesbadener Künstlergruppe 56 entstand im Atelier der Malerin Christa Möhring 1957 die erste Ausstellung mit dem Titel: "Fotografie informell". In Live-Vorführungen wurden gesteuerte Kristallwachstumsvorgänge gezeigt.

Nach diversen Ausstellungen im In- und Ausland folgte 1961 in der Galerie Müller in Stuttgart zusammen mit Otto Piene eine weitere Ausstellung. In einem Manifest Künstlergruppe ZERO, zu deren ersten Mitgliedern er gehörte, veröffentlichte Kage 1961 den Text "Zur Realisation des optischen Konzerts". 1963 erhielt die Kristall-Performance zusammen mit der Gruppe N aus Padua den ersten Preis der Biennale von San Marino, Italien. 1964 folgte die Ausstellung „Polychromatische Variationen“ in Zürich mit 150 Quadratmeter großen Bildern.

Durch die Begegnung mit Herbert W. Franke kamen mehrere gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen zustande. Für den Kalender Macro-Color, der Seit 1967 vornehmlich über Zeiss/New York verkauft wurde, erarbeiteten sie den Begriff Science-Art, der seitdem ein Markenzeichen geworden ist und von Kage im Zusammenhang mit der Performance „Audio-Visionen“ in der Galerie Prediger, Schwäbisch-Gmünd, 1974 durch den Begriff "Video-Science-Art" ergänzt wurde. Für den Messestand der Firma Braun, Frankfurt, entwickelte Kage 1964 das „Audioskop“ — einen Xenon-Projektor, der Musik sichtbar machen konnte. Mit Hilfe von Lautsprechern wurde eine inerte Flüssigkeit auf einer Kunststoffmembran als Chladnische Klangfigur erregt und durch Farbschlierenoptik projiziert. Parallel dazu entstanden Großfotos, die auf der Weltausstellung 1967 in Montreal und 1971 in Osaka gezeigt wurden. 1974 kam vom WDR die Bitte, für den Film Salvador Dalis "Hommage à la haute Mongolie" die Spezialeffekte zu realisieren, bei dem auf der Oberfläche einer Kugeischreiberhülse die phantastischsten Landschaften unter dem Mikroskop mit Laserbeleuchtung gezaubert werden sollten. Dali malte in die jeweiligen Mikroaufnahmen spezielle Ergänzungen hinein.

Um Möglichkeiten einer starken künstlerischen Farbgestaltung bei mikroskopischen Aufnahmen zu erhalten, entwickelte Kage darüber hinaus den "Polychromator", der aus mehreren drehbaren Kristallschichten bestand und über ein gigantisches Farbenspektrum verfügte. Dieser "Polychromator" war die Voraussetzung für eine Bildgestaltung im Großformat (bis 160 x 120 cm). Ein weiterer Schritt zur Ästhetisierung von Kristallstrukturen war die Konstruktion eines Repro-Kaleidoskopes 1968.

Systeme mit zwei gekoppelten Videokameras und Mischpult wurden schließlich für den Fernsehfilm "Das Gespinst" (1978) eingesetzt, zu dem Kage die Spezialeffekte erstellte.

Besonders eindrucksvolle Feedback-Sequenzen erhält man, wenn sich vor dem Erregermonitor eine kinetische Metall-Plastik bewegt, und ihre Abläufe farbig moduliert in den Feedback-Effekt eingehen. Kage war u.a. an der Entfaltung der Video-Synthesizer-Art in Deutschland und England maßgeblich beteiligt.

1982 wurde das Reprokaleidoskop vor eine Videokamera montiert und es entstand zusammen mit Otto Bauer eine Serie von symmetrischen Kristall-Kaleido-Filmen: Video-Mandala. 1977 begann eine Serie von Experimenten an einem Rasterelektronemnikroskop (REM), das zu der Zeit lediglich Schwarzweiß-Bilder machte. Kage kreierte mehrfarbige REM-Bilder durch Entwicklung eines Gamma-Discriminators und dem Einsatz von mehreren Sätzen von Farbflltern, die eine neue Ära der REM-Fotografie einleitete. Seit einigen Jahren werden Rasterelektronenmikroskope fast überall digitalisiert und an die Stelle der Farbfotos treten monochrome Dateien, die mittels Bildbearbeitungsprogrammen in mehrfarbige Bilder umgewandelt werden. Eine Serie von Abbildungen von Radiolarien und Diatomeen sind von Kage in der Null-Nummer der Zeitschrift Evolution II erschienen.

1990 und 1996 gab das Museum for Natural History in Taichung (Taiwan) den Auftrag zu einer 3-D-Diaschau unter dem Titel: "Das fantastische Haus“ und "Die fantastische Reise der Wassertropfen“, zu denen Hunderte von 3-D-Fotos entstanden. In den letzten Jahren widmete sich Kage zusammen mit seiner Frau Christina dem Thema der digitalen Videoverfilmung von Mikroorganismen der Meere und des Süßwassers. Es entstanden Filme wie "Ozeangalaxie", "Living on an green string", Protista und in Zusammenarbeit mit Prof. W. Foissner "Three giant ciliates".

Abb. 1: Gesprinst (Manfred P. Kage 1978)
Abb. 2: Audioskop (Manfred P. Kage 1964)
Abb. 3: Videosynthesizer (Manfred. P. Kage 1975)